Stammtisch: „Die Idee von der lebendigen Stadt/Gemeinde von morgen“

Donnerstag, 18. November 202119:30 Uhr Veranstaltet von: OV Kolbermoor

Wir freuen uns, bei unserem Stammtisch die Vortragsreihe WERT-schätzung fortsetzen zu können.

Anmeldung und Link unter info@gruene-kolbermoor.de

Zum Thema „Die Idee von der lebendigen Stadt/Gemeinde von morgen“ konnten wir Josef Mikus als Referent gewinnen:

Als politisch engagierte und aktive Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt und unserer Gemeinde wollen wir Ideen und Vorhaben verwirklichen, die entscheidend für die Zukunft des lokalen Lebens sind. Meistens sind wir aber gezwungen eher reaktiv zu handeln auf Sachzwänge, auf Erfordernisse der lokalen Wirtschaft, auf Anliegen zur Bodenerschließung für Wohn- und Geschäftsflächen, auf den Bedarf nach Gesundheitsvorsorge, lokalen Bildungseinrichtungen, sozialer Aufgaben, Mobilität, Energieversorgung und vieles mehr. Dabei bleibt aber zu oft das visionäre langfristig orientierte Denken, das Handeln aus einer schon hereinscheinenden Zukunft her zu sehr auf der Strecke. Mir scheint aber wichtig, dass wir immer wieder Vorstellungen entwickeln, wie gutes Leben in unserer Stadt in unserer Gemeinde in der Zukunft aussehen könnte und müsste und welche Weichen dafür zu stellen sind. Wie können wir da vorgehen? Die Gemeinwohlökonomie z. B. liefert dazu ein gutes Vorgehensmodell. Sie orientiert sich an einigen wenigen zentralen Werten und richtet den Blick gleichermaßen auf verschiedene Anspruchs- und Berührungsgruppen im lokalen Umfeld. Sie fühlt sich als Bewegung auf dem Weg. Aber natürlich fragt man sich dann immer wieder, wohin der Weg gehen soll, auf welches Ziel hin. Wir können uns aber nicht alleine unsere Stadt der Zukunft ausmalen, wir müssen es gemeinsam tun. Ein eigener Blick zurück: Ich war über zehn Jahre lang Leiter einer großen Volksschuleinrichtung und dann auf VHS-Bezirksebene in Bayern in Mittelfranken tätig. Mit meinem damaligen Landrat und den Bürgermeistern haben wir gemeinsam eine Vorstellung entwickelt was Volkshochschule bedeuten soll: Sie sollte ein Ort der Begegnung sein, ein Ort des lebendigen Austausches, ein Ort der Kommunikation, der Kommunikation für alle Schichten, ein Ort der Gesundheitsbildung, ein Ort der beruflichen Entwicklung, ein Ort des kreativen und schöpferischen Handelns.
Wenn ich mir das recht überlege, trifft für mich auch heute noch vieles davon für eine Stadt der Zukunft zu: die Stadt der Zukunft müsste ein neuer Ort der vielfältigen Begegnungsmöglichkeiten sein, unterschiedlicher Quartiere, unterschiedlicher Bewohner und Mitbewohner (für mich immer noch prägend wie ich z. B. noch den allabendlichen „Corso“ in ital. Orten erlebt habe) und damit ein Ort des Austausches, des Erlebens von Gemeinschaft über Grenzen hinweg. Natürlich auch ein Ort des lokalen und regionalen nachhaltigen Wirtschaftens, genauso wie ein Ort des Wohnens, des guten und erschwinglichen Wohnens, oder ein Ort nachhaltiger Energieversorgung, ein Ort der Balance mit unserer Umwelt, aber auch ein Ort des schöpferischen Gestaltens, des lockeren fröhlichen Spielens (wie auf den Boule-Plätze in Frankreich) und des Sportes für alle, eben ein Ort des vielfältigen gemeinsamen Lebens, ein Platz für alle – und nicht in erster Linie für PKWs .

Wie können wir das erreichen, gemeinsam erreichen? Ich möchte Sie ermuntern, dazu noch mehr neue Wege zu beschreiten, die es an vielen Orten schon gibt:

  • Etablieren von Bürgerräten (d. h. ausgeloste Bürger), die sich genau mit diesem Thema der Stadt der Zukunft und des lokalen fröhlichen Lebens beschäftigen
  • ins Leben rufen von Zukunftswerkstätten und sogenannten Projektschmieden, um neue Ideen zu finden, genauer zu sondieren, zu diskutieren, zu schärfen und erste Schritte zur Umsetzung in die Wege zu leiten
  • Einrichten eines Konvents, wie die örtliche Wirtschaft gestaltet werden soll, wo die Gemeinde wirtschaftliche, energetische, mobilitäre Rahmenbedingungen aus der Sicht der Zukunft her anders setzen sollte als bisher, an welchen Werte sich die Gemeinde ausrichten sollte und wo z. B. auch über neue Formen von Commons nachgedacht werden kann, darüber was in öffentlicher Hand bleiben sollte oder auch wieder zurückgeholt werden sollte und was privat gemacht werden soll

Es ist ganz interessant, dass es solche Formen des gemeinsamen Visionierens, des gemeinsamen Entwickelns in modernen Unternehmen häufig schon gibt – wie z. B. an den mir sehr vertrauten Kliniken Heiligenfeld in Bad Kissingen…Warum nicht auf der kommunalen Ebene-wo man sich noch kennt, sich einschätzen kann, sich vielleicht auch noch vertraut, wo die Dinge noch transparent sind und sich die Bürger noch direkt die Entscheidungen mit zu entscheiden und gestalten trauen.

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